75 Jahre Modelleisenbahn in Senftenberg

Lausitzer Modelleisenbahnverein e.V. feiert großes Jubiläum
Am 01.09.1951 begann im Senftenberger Revier das Modelleisenbahnzeitalter. Eine Zeit, in der die Braunkohleförderung und -veredlung scheinbar unaufhaltsam ihrem Höhepunkt zustrebte. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich im Bereich der europaweit größten schmalspurigen Industriebahn die Arbeitsgemeinschaft 2/1 Brieske in einem ausgedienten Schmalspurwaggon der 900 mm-Kohlebahn auf dem Gelände der ehemaligen Brikettfabrik „Franz Mehring“ als erste Arbeitsgemeinschaft Modelleisenbahn der Region gründete. Und dies noch vor der Gründung des Deutschen Modelleisenbahn Verbandes der DDR 1962. An die großen Zeiten der Kohlebahn zeugen heute noch die in Brieske, heute ein Ortsteil der Stadt Senftenberg, an der ehemaligen B 169 auf einem Sockel ausgestellte EL3 4-817 als eine der letzten verbliebenen Relikte dieser Zeit und die ehemaligen Werkhallen der damaligen Hauptwerkstatt.
Diese AG 2/1 (die 2 steht für die Zuordnung zur damaligen RbD Cottbus, die 1 für die fortlaufende Nummer) und die viel später gegründete AG 2/35 im benachbarten Großräschen fusionierten 1991 zum Lausitzer Modelleisenbahnverein e.V. (LMEV). Dieser bildet damit die Rechtsnachfolge beider früherer Arbeitsgemeinschaften. Der LMEV beging damit kürzlich das 75. Jubiläum der Gründung der AG 2/1. Heute hat der LMEV nach mehreren Umzügen sein Domizil wieder auf dem ehemaligen Werksgelände der Brikettfabrik, wenn auch nicht in einem Schmalspurwaggon, sondern in einem erworbenen Haus des ehemaligen Ledigenwohnheims aus der Gründungszeit der Ilse-Bergbau AG, aus dem die Werke in Brieske hervorgingen. Direkter Nachbar des LMEV ist heute die LSI Brieske GmbH (Lausitzer Schienenfahrzeug Instandhaltung GmbH), die in den Hallen der ehemaligen Hauptwerkstatt des Braunkohlenwerkes Senftenberg die Tradition der Lokinstandhaltung fortsetzt.
So war es naheliegend, dass ein Besuch der Werkstätten der LSI GmbH im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand. Zuvor hatte der Vorstand des LMEV den Vereinsmitgliedern, vielen Familienangehörigen und den geladenen Ehrengästen in einer kleinen Feierstunde die wechselvolle Geschichte des Vereins dargestellt. Der Bürgermeister der Stadt Senftenberg und die Delegation der SMV würdigten in ihren Ansprachen die Geschichte und die heutigen Aktivitäten des Vereins und überbrachten entsprechende Grußworte und Geschenke zum Jubiläum. Nach der Exkursion in die Lokwerkstatt klang die Veranstaltung in einem gemütlichen Zusammensein bei Fachsimpeln und visionären Planungen aus.

Der Bürgermeister der Stadt Senftenberg überreicht eine symbolische Spende.

Der SMV ehrte den LMEV epochengerecht.
Heute zählt der Verein 14 feste Mitglieder im Alter von 10-91 Jahren. Darunter sind auch endlich wieder 3 Kinder. Der LMEV ist heute weit über die Stadtgrenzen bekannt. Er richtet seit 20 Jahren im 2-jährigen Rhythmus die LausitzModellbau in der Senftenberger Niederlausitzhalle aus. Sie gilt als größte Modellbauschau dieser Art im Großraum Berlin-Brandenburg und zieht regelmäßig Tausende Besucher und internationale Aussteller an. Die nächste LausitzModellbau befindet sich bereits in den Vorbereitungen und wird vom 05. -07.11.2027, diesmal aber in der Messe Cottbus, stattfinden. Die Niederlausitzhalle wird umfassend rekonstruiert und fällt für alle Veranstaltungen in den nächsten vier Jahren aus.
Der Lausitzer Modelleisenbahnverein betreibt selbst mehrere Ausstellungsanlagen, die bei der LausitzModellbau abwechselnd gezeigt werden. Am bekanntesten sollte die 35 m² große H0-Anlage „Wie die Braunkohle eine Landschaft prägt“ sein, die typische Szenen aus der Entwicklung des Senftenberger Reviers von den Anfängen der Kohleförderung bis hin zum heutigen Seenland vorstellt. Daneben zählen Anlagen in den Spurweiten 0 und 1 und eine interaktive digitale Märchenanlage zum Ausstellungsfundus. Neben der eigenen LausitzModellbau präsentierte der LMEV seine Anlagen auf Ausstellungen im gesamten Bundesgebiet, so u.a. mehrfach in Leipzig und Dresden, in Sinsheim, Friedrichshafen, Dortmund, Löbau, Gießen oder Magdeburg.
Dr. Lothar Sickora Vorstand LMEV

Vereinsmitglieder mit Angehörigen und Ehrengästen vor dem Vereinsheim.
Bilder: Lothar Sickora & S. Becker
Text: Lothar Sickora
